Automatisierung ohne Overengineering
In den letzten Monaten habe ich dutzende Marketing-Workflows automatisiert. Die wichtigste Lektion: Weniger ist fast immer mehr.
Das Overengineering-Problem
Es ist verlockend, für jeden Workflow ein komplexes System aufzubauen. Zapier hier, Make dort, eine Custom API dazwischen, und am Ende ein Dashboard, das niemand anschaut.
Das Ergebnis: Ein fragiles System, das beim ersten Edge Case zusammenbricht und das nur eine Person debuggen kann — nämlich du.
Meine Faustregel
Bevor ich automatisiere, stelle ich drei Fragen:
- Wie oft passiert das? — Einmal pro Woche? Manuell machen.
- Wie komplex ist die Logik? — Mehr als 3 Bedingungen? Erstmal vereinfachen.
- Was passiert, wenn es schiefgeht? — Kann ich den Fehler schnell beheben?
Drei Stufen der Automatisierung
Stufe 1: Checkliste
Klingt unsexy, funktioniert aber. Eine dokumentierte Checkliste in Notion oder einem Google Doc ist die einfachste Form der “Automatisierung”. Sie macht den Prozess wiederholbar, ohne technische Schulden zu erzeugen.
Stufe 2: Einfaches Skript
Ein Python-Skript, das jeden Morgen per Cronjob läuft. Keine UI, kein Framework, keine Abhängigkeiten. Daten rein, Ergebnis raus. Wenn es kaputt geht, ist der Fix meistens eine Zeile Code.
Stufe 3: Vollständige Automation
Erst wenn Stufe 2 stabil läuft und der Bedarf klar ist, baue ich ein richtiges System. Mit Error-Handling, Monitoring und einer Schnittstelle für andere.
Ein konkretes Beispiel
Aufgabe: Wöchentlicher Performance-Report für Google Ads.
- Vorher: 45 Minuten manuell in Google Sheets, jeden Montag.
- Stufe 1: Checkliste mit den 8 Schritten, die ich jede Woche durchgehe. Zeit: 30 Minuten.
- Stufe 2: Python-Skript, das die Google Ads API abfragt und eine CSV generiert. Läuft per Cronjob. Zeit: 0 Minuten (nach Setup).
- Stufe 3: Kommt vielleicht. Muss aber nicht.
Automatisierung ist kein Selbstzweck. Das Ziel ist nicht “alles automatisieren” — sondern die richtigen Dinge zur richtigen Zeit.
Die beste Automation ist die, die du in einer Stunde baust und die ein Jahr lang läuft, ohne dass du sie anfassen musst.